Nord Ostsee Kanal mit dem Segelboot
Nord Ostsee Kanal nach Cuxhaven – Northsea is calling!
29. Juli 2018

In 30 Stunden von Cuxhaven nach Den Helder

Segeln Nordseeküste

Moin aus Frankreich!😊

Dem nicht wirklich brauchbaren Wetter bzw. Wind geschuldet liegen wir mittlerweile seit gut einer Woche hier in Dunkerque in der Marina Grande Large.
Wir sind euch ja noch den dritten Teil der 1.Etappe nach Den Helder  (Segeln Nordseeküste) schuldig geblieben, so here we go:😉

es ist Freitag der 20. Juli 2018 in Cuxhaven.

Unter Motor geht es am Morgen raus aus dem Amerikahafen. Gestern Nachmittag hatte ich mir noch die alten Abfertigungsgebäude und die kleine Ausstellung dieser für die deutschen Auswanderer der damaligen Zeit sehr bedeutsamen Kaianlage angeschaut. Hier begann damals für diese Leute die Neue Welt. Mit ihr verbanden sich die vielen Träume und Hoffnungen auf ein besseres Leben in der völlig unbekannten Ferne auf der anderen Seite des Atlantiks. Sehr beeindruckend und ergreifend, sofern man für solche Nostalgien ein kleines Faible hat. 

Die Aussenelbe erwartet uns mit einem recht lauen Lüftchen aus NNW und strahlendem Sonnenschein. Wir halten uns schön brav außerhalb des Elbe-Fahrwassers und passieren dank des gut mitschiebenden Ebbstroms schon sehr bald die Insel Neuwerk und ihre kleinere Schwester Scharhörn querab. Mit dem Fernglas können wir am Strand der Insel einige Seehunde ausmachen und einer streckt sogar ein paar Meter neben uns sein Köpfchen aus dem Wasser, nur um ein paar Sekunden später direkt wieder abzutauchen.

O-ton Johanna: „Da sind die ganzen tonnen aus dem SkS!“

Mit erreichen der Fahrwassertonne „Elbe1“ haben wir das Scharhörnriff sowie das Elbe-Fahrwasser hinter uns und können nun etwas entspannter navigieren und unseren Kurs auf Süd-West bzw. die ostfriesischen Inseln absetzen. Der Wind hat mittlerweile wie angekündigt auf Nord-Ost gedreht, bleibt aber schwach, sodass weiterhin der Motor läuft und wir uns das Segel setzen erstmal schenken können. Es ist wenig Verkehr in der Deutschen Bucht und mit monotonem Gebrumme des Volvo vergeht die Mittagszeit und der Nachmittag. In sicherem Abstand von ca. 7nm passieren wir die erste ostfriesische Insel Wangerooge und wenig später Spiekeroog und Langeoog. 

Am Abend haben wir Norderney querab und der Wind frischt endlich wie angekündigt auf, obwohl wir die Hoffnung in die Prognosen eigentlich schon fast aufgegeben hatten. Endlich ist es still, wir setzen die große Genua und der Motor darf sich seine wohlverdiente Pause gönnen. So macht Segeln an der Nordseeküste richtig Freude! Die Dämmerung setzt ein und nur unter Genua zieht es uns mit guten fünfeinhalb/sechs Knoten über Grund. Wunderschönes segeln mit achterlichen Winden in den Sonnenuntergang im Westen. Wie kitschig, aber auch kitschig schön!😄

auf geht es in die erste nacht unserer reise.

Wir sind etwas aufgeregt, aber es ist eine schöne Anspannung die die einsetzende Dunkelheit mit sich bringt. 

Auf Höhe der Insel Borkum legt der Wind weiter zu. Richtung bleibt zwar beständig aus NO, allerdings stehen im Laufe der nächsten Stunden auch mal 6-7er Böen und wir ziehen mit bis zu 8kn unsere Spur vorbei an den Inseln. Wir entschließen uns die Genua zu reffen und so die Segelfläche um ein paar Umdrehungen zu verkleinern. Resultat ist eine annähernd gleichbleibende Geschwindigkeit aber deutlich weniger Sorgen um’s Segel und eine angenehmere Fahrt durchs Wasser.😉
Ein Glück fällt der Wind bei unserem jetzigen Kurs von schräg achtern ein und nachdem wir merken das unsere Irma und auch der Autopilot diesen Kurs prima meistern beruhigen wir uns deutlich. Hoch am Wind hätten wir jetzt bei dieser Windstärke bedeutend mehr Stress mit der Situation. Aber achterliche Winde sind ja bekanntlich auch immer eine etwas trügerische Sicherheit.

Der morgen graut…

… und mit dem neuen Tag nimmt der Wind auch wieder etwas ab sodass wir die Genua wieder voll fahren können.
Im Laufe der Nacht haben wir die deutschen Gewässer verlassen und befinden uns nun in den Niederlanden. Nach dem Sonnenaufgang und dem ersten Kaffee wird die neue Gastlandflagge gesetzt. Während wir weiter an den westfriesischen Inseln Schiermonnikoog, Ameland, Terschelling und Vlieland vorbeisegeln verziehen Johanna und ich uns abwechselnd in die Koje um etwas Schlaf nachzuholen. Den Versuch in der Nacht etwas zu schlafen hatten wir beide aufgrund des Seegangs irgendwann aufgegeben und beschränkte sich auf minutenweises vor sich hin dösen im Cockpit.

Etwa um die Mittagszeit passieren wir die Insel Texel und mit ihr die Letzte unserer „Insel-Tour“ der vergangenen Stunden.
Unser Ziel, die Marina Willemsoord im Innenhafen von Den Helder war nun nicht mehr weit, aber es wird nochmal spannend und Konzentration ist gefragt. Der Wind hatte mittlerweile auf fast Strich Nord gedreht und auch wieder etwas zugenommen. Stärke 5-6Bft.
Den Vormittag über hatte ich mich im Revierführer bereits mit der Ansteuerung des Molengats an der Südspitze von Texel vor Den Helder vertraut gemacht und war nun mit dem Winddreher auf Nord etwas nachdenklich geworden.

Plan a oder doch lieber Plan B?

Die Passage des Molengat, eine Engstelle zwischen einer Sandbank und der Insel selbst, kann bei gewissen nördlichen Windbedingungen ab einer gewissen Stärke sehr unangenehm bis hin zu ganz und gar nicht mehr lustig werden. Auch der Tidenstrom der hier mit bis zu 3-4 Knoten das Wasser durch dieses Nadelör drückt spielt eine wichtige Rolle bei der Törnplanung. Aufgrund der sehr flachen Stellen können sich dort bei entsprechendem Seegang schnell Grundseen bilden, die einer Yacht sehr gefährlich werden können. 

Wir beschlossen, uns die Situation mit eigenen Augen zu begucken sobald wir ums Eck schauen konnten und dann zu entscheiden. Plan B wäre der gut 15nm längere Weg südlich um die Sandbank, der uns aber mindestens nochmal 3h kosten würde. 
Kaum ums Eck war schnell klar, das ich mir viele Gedanken um nichts gemacht hatte!
Der Seegang wurde von der Ecke der Insel abgefangen und stand nicht wie befürchtet voll in die Engstelle. Mit teils 8kn über Grund und aufgrund der Untiefen penibel dem Tonnenstrich folgend flogen wir durch das Seegat und hatten es nach ein paar aufregenden Minuten geschafft. Unter Motor erreichen wir die große Hafeneinfahrt, hinter der sich unter anderem der größte Militärhafen der Niederländer auftut.

Nach einer zügigen Schleusung in den Innenhafen, die wir rechtzeitig vorher über Funk beim Schleusenwärter angemeldet hatten, machen wir zufrieden und geschafft nach knapp 30 Stunden auf See die Leinen am Fingersteg fest.

Johanna & Norman 
SY Irma – Dünkirchen/FR ⛵️

 

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