Norman

Erst einmal freue ich mich sehr das du den Weg auf unsere Seite gefunden hast! Mein Name ist Norman, ich bin 33 Jahre alt (Jahrgang 1984), geboren und aufgewachsen in Siegburg, einer Kleinstadt am Rande des Siebengebirges zwischen Köln und Bonn.
Wenn man so wie wir seit mittlerweile einem guten Jahr auf einer Segelyacht wohnt und lebt gibt es eigentlich nur ein Leben "davor" und ein "seit dem". Aber mal ein bisschen was zu meinem persönlichen "davor":

Überspringen wir mal meine relativ unspektakuläre und nicht besonders rühmliche Schulzeit, wurde ich mit 18 zur Bundeswehr eingezogen. "Die werden dort schon einen anständigen jungen Mann aus dir machen" sagte meine Oma. Sie sollte wohl Recht behalten. Das erste Jahr beim Heer in einem Fallschirmjägerbatallion war eine sehr harte und entbehrungsreiche Zeit, die mir aber im Nachhinein betrachtet auch nicht nachhaltig geschadet hat. Nach einem Jahr Dienst im Saarland, ließ ich mich in die Heimat zur Luftwaffe an den Köln​/Bonner Flughafen versetzen, wo ich dann für insgesamt 8 Jahre als Zeitsoldat unterschrieb.

Für mich ergab sich die Möglichkeit, den Führerschein für LKW und Bus über den Bund zu machen, welche ich gerne und dankend annahm und die mein Leben nachhaltig beeinflussen sollte. Mit jungen 21 Jahren begann ich also in meiner Freizeit (von der ich damals bedingt durch Wachschichten etc. und dem damit verbundenen Freizeitausgleich reichlich hatte) für eine Spedition in der Nähe erst auf kürzeren innerdeutschen Strecken, später dann international mit dem Lkw durch Europa zu touren.
Wenn ich nicht gerade mit dem Truck unterwegs war oder Dienst schob waren meine Motorräder die zweite große Leidenschaft. Angefangen mit einer "kleineren" 600er Yamaha, hin zu einer 1000er 170PS-Rennsemmel, war es aber schließlich tatsächlich eine mächtige 1150er Boxer-GS Adventure in die ich mich unsterblich verliebte. Mit ihren Alukoffern, Stollenreifen, hoher Tourenscheibe und nicht zuletzt dem über Jahrzehnte aufgebauten Renommee der BMW GS-Familie versprühte sie soviel Abenteuerlust und Fernweh, wie es nur ein waschechtes Reisemotorrad zu können vermag. Mit ihr legte ich in 2 Jahren über 30.000 Kilometer durch Europa und sogar bis nach Afrika (Marokko) zurück. Überwiegend übernachtete ich dabei im Zelt an den schönsten und beeindruckendsten Orten die ich bis dahin kannte.

Als "Kür" meiner sehr intensiven Motorrad-Zeit plante ich eine 4-wöchige Reise mit der GS nach Marokko. Heute würde ich sagen Einhand. Alleine, ohne Begleitung. 4 Wochen, mein Motorrad, ein Zelt und ein Land, in dem ich vorher noch nie war und das so eine andere Kultur und Lebensweise wie die unsere versprach. Es wurde eine Reise mit unzähligen atemberaubenden Eindrücken, Erlebnissen und allein gemeisterten Situationen, die ich so nie mehr vergessen werde. Ein Gefühl von Freiheit wie man es nur schwer beschreiben kann. Eine Nacht im Zelt am Rande der Wüste auf einem anderen Kontinent in Marokko, über einem ein Sternenhimmel wie ich ihn vorher nicht gesehen hatte, neben einem das eigene Motorrad, mit dem man von Deutschland aus auf eigener Achse dorthin aufgebrochen war, vergisst man sein ganzes Leben nicht mehr!

Als sich meine 8-jährige Dienstzeit so langsam dem Ende neigte und ich entscheiden musste ob ich der Bundeswehr noch weitere 4 Jahre meines Lebens widmen möchte entschied ich mich dagegen. Ich absolvierte, der reinen Vernunft geschuldet, eine 2-jährige Ausbildung zum Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistung. Schließlich, so sagte mir es mein Umfeld, muss man ja auch mal irgendwann etwas anständiges gelernt haben um im Leben weiterzukommen. ;-)
Diese "Neuausrichtung" währte allerdings nicht sehr lange. Direkt nach bestandener Abschlussprüfung heuerte ich, diesmal Vollzeit und nicht mehr nur so nebenbei, fest bei einer kleinen Spedition an und bekam meinen ersten "eigenen" Lkw, mit dem ich nun für ein Jahr (dieses Limit hatte ich mir selbst gesetzt) hauptsächlich auf der Route Deutschland - Frankreich - Spanien meist mit mehrwöchiger Abwesenheit von Zuhause unterwegs war. "Karriere" konnte ich auch später noch machen dachte ich mir.
Nach einem guten Jahr „on the Road“ war es wieder der reinen Vernunft geschuldet, jetzt "sesshaft" zu werden und mir einen normalen Bürojob zu suchen. Ich fing als Disponent in einer großen Bonner Hafenspedition an. (Ja, Bonn hat einen Hafen ;-)) In dieser Zeit kam ich über einige Zufälle bzw. Bekanntschaften aus der Vergangenheit dazu, auch wieder nebenbei, mit Doppeldecker-Bussen Abiturienten und Jugendliche nach Spanien zu fahren. Die klassischen Abi-Tours nach Lloret der Mar. Eine sehr lustige und erlebnisreiche Phase meiner Fahrerei! Da die Arbeit und das Betriebsklima in der Spedition in der ich angestellt war nicht so wirklich meinen Wünschen entsprach, reifte der Gedanke sich etwas Neues zu suchen. Die Busfirma, ein alteingesessenes Bonner Traditionsunternehmen, suchte zu diesem Zeitpunkt einen neuen Betriebsleiter und schnell war klar, das könnte vielleicht eher etwas für mich sein. War es nicht wie ich ein gutes Jahr später feststellte.

Ich stand kurz vor meinem 30. Geburtstag und brauchte zu dem Zeitpunkt scheinbar mal wieder einen Schnitt. Raus aus dem eng getakteten Büroalltag mit teils vielen Überstunden. Zu wenig Zeit für mich, zu wenig Zeit zum nachdenken. Mir vielleicht mal so langsam Gedanken machen und mir darüber klar werden, in welche Richtung mein Leben zukünftig gehen soll. Ich hatte gerade keine Freundin und was lag mir da näher als Mal wieder ins „durch-Europa-rollende-40-Tonnen-Nomaden-Business“ einzusteigen. ;-)
Und dann kam Johanna in mein Leben ...

... Aber das ist eine andere Geschichte!

Johanna

Mein Name ist Johanna und ich bin 30 Jahre alt, in Bonn im Rheinland aufgewachsen. Meine Eltern hatten Ihren eigenen Betrieb in dem ich groß geworden bin. 2000 musste der Betrieb geschlossen werden. Von einem Tag auf den anderen waren viele materielle Dinge plötzlich weg und auch unser Budget verringerte sich drastisch. Seit diesem Tag mache ich mir nicht mehr viel aus Dingen. Einen Tag nach dem Abi brach ich alleine auf nach Australien. Ich wollte ein halbes Jahr bleiben, doch nach nur 6 Wochen kehrte ich zurück. Einen Plan zu schmieden, seine eigenen Erfahrungen zu machen und eine daraus resultierende Entscheidung zu fällen, war für mich wichtig. Ich begann eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester, der erste Tag im Krankenhaus war für mich so schockierend, dass ich noch innerhalb der Probezeit kündigte. Einen Sommer später zog ich nach Baden-Württemberg und machte eine Banklehre. Als ich 2008 mit der Ausbildung bei der Deutschen Bank begann schloss ich noch ein 1-Jahres Festgeld für 5 %/p.a. ab. In den darauf folgenden Monaten erlebte ich die Finanzkrise hautnah und lernte wieder:

Zahlen auf Konten sind nichts für die Ewigkeit

Mich hielt es nie lange bei einem Arbeitgeber, da mich Neues immer schon mehr reizte als Sicherheit. Mich mit neuen Dingen zu beschäftigen macht mich glücklich. Routine und Alltag sind natürlich nicht unumgänglich aber nicht der Sinn meines Daseins. So buchte ich auch einen Tag nach Abgabe meiner Bachelor-Arbeit ein Zugticket nach Lausanne und lief knapp 1.000 km nach Rom. Ich hatte nämlich schon länger mit dem Gedanken gespielt eine Pilgerreise zu machen, aber durch den Beruf und das berufsbegleitende Studium war nie Zeit. Die Pilgerreise vom Genfersee durch die Toskana war nicht nur traumhaft sondern auch eine Grenzerfahrung. Zwei Wochen traf ich keine anderen Pilger, konnte mich nicht auf französisch geschweige denn auf italienisch mit den Herbergsvätern unterhalten. So viel Zeit hatte ich bis daher noch nie mit mir selbst verbracht. In dieser Zeit wurde mir bewusst wie sehr die eigene Einstellung über Freud und Leid entscheidet. Seit dem gilt das Motto meines Vaters:

Wähle deine Einstellung!

Ich wechselte von der Finanzbranche ins Produktmanagement und verbrachte 2,5 Jahre in einem Bonner Verlag. Dinge zu planen, zu steuern und am Ende ein fertig produziertes Buch oder eine Ausgabe in den Händen zu halten, war ein tolles Gefühl. Und dann kam Ende 2015 Norman wieder in mein Leben... Unser Weg aufs Boot: Als wir uns trafen, hatten wir beide alles nur keine Zeit. Norman war beruflich wochenlang unterwegs und das Wochenende schnell verstrichen. Als wir 2016 3 Wochen gemeinsam Urlaub machten, verbrachten wir 2 Wochen davon mit unserem Motorboot in Holland (Sealine 22 Fuß). Die letzte Woche durften wir mit einem Freund von Normans Vater auf seinem Segelboot einer Moody 35 auf der Dänischen Südsee verleben. Da war es um uns geschehen! Wir hatten in der Vergangenheit schon viele Ideen gehabt wie wir leben wollten (in Kanada als LKW Fahrer, mit dem Expeditions-Mobil durch die Welt oder mit dem Wohnwagen durch Europa). Doch Segeln, das war alles: Weite, Natur, Freiheit, Abenteuer. Nach dem wir den Herbst stapelweise Segelbücher und Filme verschlungen hatten. Uns von Moitessier, Erdmann und Co. verzaubern ließen, überlegten wir nicht lange und gingen auf die Suche nach dem richtigen Segelboot.

Bootskauf = neues Leben

Wieso sollten wir nur Bootsbesitzer einer tollen Yacht in Holland sein, wenn wir auch Lifeaboards an der Ostsee sein könnten? Besonders wenn man von einer Langfahrt träumt erschien es uns vernünftiger das Leben an Bord erst einmal zu testen anstatt erst auf Reisen sich mit den neuen Gegebenheiten anzufreunden. Gesagt getan, nachdem wir auf Mallorca im März 2017 das richtige Boot gekauft hatten, begann die heiße Phase: Überführung planen, neue Jobs suchen, Wohnung kündigen und Ausmisten. Mitte Mai 2017 flog Norman nach Mallorca und Johanna kümmerte sich um die Auflösung des Hausstandes unseres kleinen Fachwerkhäuschens am Rheinufer. Gemeinsam segelten wir mit toller Unterstützung von Normans Vater über die Biscaya nach Camaret und zogen nach 9 Wochen Überführung im Juli 2017 auf unsere Irma. Natürlich ist unser Leben seit Sommer 2017 in manchen Bereichen unkomfortabler geworden. Doch möchten wir es auch nicht missen. Denn aus Plänen wurde Realität – Schritt für Schritt.